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Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)

Johannisbrotbaum - in vielerlei Hinsicht eine Nutzpflanze

Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)

Vorkommen und Anbau 
Im gesamten mediterranen Raum begegnen wir dem Johannisbrotbaum sehr häufig. Als alte Nutzpflanze wird der Baum vor allem noch in Spanien, Italien, Griechenland, Nord-Afrika und auf Zypern, aber auch in Kalifornien angebaut. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Hülsenfrüchtlers ist das östliche Mittelmeergebiet. Ceratonia siliqua liebt die steinigen und trockenen Hänge in Meeresnähe. Auf Zypern ist der Baum waldbildend. Erst durch die Kultur wurde dieses Gehölz zu einer Charakterpflanze des Mittelmeerraums. Allein in der Türkei stehen 1,6 Mill. Bäume. Als Ceratonia siliqua Anfang des 19. Jahrhunderts in den Mittelmeerländern verbreitet war, gelangte die Pflanze 1850 auf dem Seeweg nach Australien und 1854 in die USA. Von N-Amerika erreichte sie recht schnell Südamerika (Chile, Argentinien, Peru). Die Briten sorgten zum gleichen Zeitpunkt für die Verbreitung in Indien.

Johannisbrot als Arzneimittel 
Schon im 16. Jahrhundert vor Christus wird Johannisbrot in einem alten ägyptischen Papyrus als Arzneimittel erwähnt. Bei den alten griechischen und römischen Ärzten waren die unreifen Früchte im Gebrauch. So findet sich auch im Buch des Dioskorides Johannisbrot beschrieben. Früher wurden die Früchte auch als Arznei gegen Sodbrennen verabreicht, daher rührt der alte deutsche Name »Soodbrodbaum«.

Die Nutzung der Früchte als Nahrungsmittel 
Der Name des Johannisbrotbaums geht auf Johannes den Täufer zurück, der sich in der Wüste von Heuschrecken, wildem Honig, Manna und auch von den Hülsen des Johannisbrotbaumes ernährte. Als Lebensmittel wird Johannisbrot zum Trockenobst gezählt.
In früheren Zeiten galt die süße Frucht als Naschwerk für den Menschen, vom ausgepressten Saft wird heute noch Sirup hergestellt. Die Hülse dient hauptsächlich als Viehfutter. Der Buttersäuregehalt der Fruchtstände verursacht gerade in den Nachtstunden einen unangenehmen Geruch. Aus dem süßen Mehl der getrockneten Früchte werden heute Süßigkeiten und Säuglingsnahrungsmittel hergestellt. Als Extrakt findet es sich in den Rezepturen von Cola-Getränken. Die Hülsen der Frucht dienen als Kaffee-Ersatz, der unter dem Namen Karobenkaffee in den Handel gelangt. Karobe, Caroubier: diese Namen gehen auf das arabische Chirnub (Hülse) zurück. Das Mehl ist auch als Lebensmittelzusatzstoff (E410) in der EU zugelassen.

„Mythos Karat“
Die Samen des Johannisbrotbaumes als Diamantengewicht: Eine Besonderheit dieses Gehölzes ist die Tatsache, dass man die Samen im östlichen Teil des Mittelmeerraumes als Gewichtseinheit nutzte. Diese Gewichtseinheit zum Abwiegen kleinster Mengen kostbarer Waren, wie z. B. Gewürzen, gab sogar dem Gold und Diamantengewicht seinen Namen. Das Wort Karat leitet sich von dem griechischen Wort Keration (Horn) ab. Die Früchte haben tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Horn. Jeder einzelne Same einer Hülse besitzt ein Samenkorngewicht zwischen 185 und 205 Milligramm. Diese Genauigkeit war bisher verblüffend. Nachdem technisch ausgereifte Messmethoden aufkamen, wurde die Maßeinheit Karat auf 200 Milligramm festgelegt. Weiterhin werden die Samen als Rosenkranzperlen verwandt.
Die Bezeichnung Karat wird bestehen bleiben, auch wenn neuere Forschungen inzwischen den Mythos widerlegt haben, dass jedes Samenkorn nahezu genauso viel wiegt wie jedes andere, nämlich 1 Karat. An der Universität Zürich wurden Untersuchungen durchgeführt, die als Ergebnis des Gewichtsvergleichs (Lindsay Turnbull, Institut für Umweltwissenschaften Universität Zürich 2006) eine genauso hohe Gewichtsvariabilität wie bei anderen Sämereien feststellten. Historisch gesehen sortierten Menschen die Samen. Das „Sortieren“ durch den Menschen ergab, das nur 5% Abweichungen durch die menschliche Selektionsfähigkeit erkennbar waren.

Weitere Nutzungsarten 
Das aus Samen hergestellte Mehl dient nicht nur zum Backen, sondern wird vermehrt als Zusatzstoff für die Produktion von Kunststoffen eingesetzt. Im Jahr 2015 betrug der Preis je Kilogramm Früchte 8 €. Ein Nebenverdienst, der für die Sammler nicht sehr einträglich ist. Der Trend zur gesünderen Ernährung hat den Preis für das Johannisbrotmehl auf 60 € pro kg ansteigen lassen. Weitaus wichtiger ist die Nutzung des Holzes als Brennholz und zur Herstellung von Holzkohle. Da es kernfaul ist, wird es seltener für die Möbelproduktion und in der Tischlerei verwandt. Im 20. Jahrhundert setzte sich der Einsatz der Früchte als Tierfutter in ganz Europa durch. Zunehmend ist auch die Bedeutung der Pflanze selbst, die zur Boden- bzw. Hangsicherung beiträgt. Auch in manchem Wintergarten hat der Johannisbrotbaum schon Einzug gehalten.

Die Biologie des Johannisbrotbaumes 
Ceratonia ist eine monotypische Gattung, die zur Familie der Caesalpiniaceen gehört. Es handelt sich also um einen Hülsenfrüchtler. Das dichte Laub des mittelgroßen immergrünen Baumes bildet eine runde dichte Krone. Der Baum bildet in vielen Gegenden den einzigen Sonnenschutz für Mensch und Tier. Die paarig gefiederten zusammengesetzten Blätter haben zwei bis fünf Paare kleiner Fiederblätter. Die grünen Blüten ohne Kronblätter sind sehr klein und wachsen in kurzstieligen Trauben.
Die Pflanze ist in der Regel zweigeschlechtig, seltener zweihäusig. Rein männliche Blüten können leicht an der rötlichen Färbung erkannt werden. Die Blüten entspringen am Hauptstamm oder an den älteren Ästen, niemals aber am Neutrieb (Kauliflorie).
Die Früchte (Hülsen) sind sehr groß, 10 - 20 cm lang, 2 cm breit und im reifen Zustand ledrig und braun gefärbt. Durch »falsche Scheidewände« entsteht eine Querkammerung der Hülsen. Jede Kammer enthält einen dunkelbraunen, sehr harten, etwa 5 mm langen abgeflachten Samen.
Die trockenen Früchte werden gerne von vorrätesammelnden Tieren (Hamster, Mäuse) verschleppt, die das Fruchtmark verzehren. Dabei werden die Samen verbreitet.

Prof. Dr. Renate Scheibe
Ulrich Rösemann

Literatur 

Michael Zohary: Pflanzen der Bibel, Calwer Verlag, Stuttgart, 1986 Werner
Grandjot: Reiseführer durch das Pflanzenreich der Mittelmeerländer, Schröder Verlag, 1974
Hellmut Baumann: Die griechische Pflanzenwelt in Mythos, Kunst und Literatur , Hirmer Verlag, 1986
Beat Müller: Mythos des ursprünglichen Karats widerlegt, idw-online.de, Universität Zürich, 2006

 

 

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Wir laden Sie ein, sich über die neusten Entwicklungen des Gartens und über Pflanzenbesonderheiten zu informieren. Donnerstag, der 18. Januar 2018 von 13:00 bis 13:45 Uhr (passend in der Mittagspause)
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