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Eine Pflanze verändert die Welt.

Kaffee - eine Pflanze, die die Welt veränderte.

Coffea arabica

Linné benannte die 90 Arten umfassende Gattung Coffea, deren Heimat das tropische Afrika einschließlich der Maskarenen (Mauritius, Rodrigues’, Réunion) sein soll. Vermutlich ist die Gattung in Ostafrika entstanden. Arabica-Kaffee macht heute ca. 90 Prozent aller Kaffeekulturen aus. Wann genau der Kaffee entdeckt wurde, ist nicht bekannt. Die Abessinier tranken Bunchum in ihrem Hochland schon bevor der Kaffee im Jemen bekannt wurde. Ursprünglich kochte man die Blätter und die Früchte des Strauches, es gab auch eine Variante mit Schmalz und Kaffeeblättern als Teig. Ab wann die Bohnen geröstet wurden, wird in vielen Legenden dargestellt. Eine davon lautet: Jemenitische Hirten wurden auf den Kaffeestrauch aufmerksam, als ihre Ziegen ungewöhnlich erregt waren, nachdem sie von dem Kaffeestrauch gefressen hatten. Eine weitere Geschichte besagt, dass ein mit Beeren behangener Zweig über einer Feuerstelle trocknen sollte. Als dieser in Brand geriet, verströmte er einen angenehmen Duft. Die Bohnen wurden gemörsert und aufgegossen, so entstand das Getränk, das heute weltweit getrunken wird.

Bis 1690 hatten die Araber die Vorherrschaft über den Kaffeeanbau. Angeblich wurden alle Kaffeefrüchte vor dem Export überbrüht, um die Keimfähigkeit zu zerstören. Im 17. Jahrhundert gelang es den Holländer, Kaffeepflanzen zu stehlen. Ein Exemplar wurde zum Botanischen Garten nach Amsterdam transportiert. Die dort produzierten Samen sollen den Grundstock aller in europäischen Orangerien und Gärten kultivierten Arten sein. Willem van Outborn legte die ersten Kaffee-Plantagen in Java (Niederländisch Indien) an. Zu Beginn des 18 Jahrhunderts wurden die ersten Pflanzen nach Südamerika (Holländisch Surinam) verfrachtet. 1723 entstanden die ersten Plantagen in Guayana und auf den Antillen (französisch),von Französisch Guayana erreichten Kaffeesamen Brasilien. Nicolas Law importierte Kaffee von Ceylon nach Jamaica. 1748 entstand die erste Plantage auf Kuba, 1755 auf Puerto Rico und nachfolgend in allen anderen Mittelamerikanischen Ländern. Heute stehen die Besucher Schlange, um die Blüte von Amorphophallus in Botanischen Gärten zu besichtigen. Damals gab es Besucherschlangen vor der Kaffeepflanze in Paris, als der Botaniker Antoine de Jussieu den vornehmen Parisern die neuartige Pflanze zeigte. Für die Kolonien Frankreichs war dies die Ursprungspflanze. 1723 nahm Gabriel Mathieu de Clieu Pflanzen mit auf eine Reise zu den Antillen. Missionare erhielten Samen für ihre Klöster und vervielfältigten die Kaffeepflanzen. Der Botanische Garten auf Guadeloupe Fort-de-France wurde nach Clieu benannt. Die Insel Sri Lanka war damals die bedeutendste koloniale „Kaffeeinsel“ der Briten. Im Jahre 1870 erreichte der Kaffeeanbau auf Sri Lanka seinen Höhepunkt.

Eine pilzliche Erkrankung dämpfte aber letztendlich die Euphorie der Farmer und der Kolonialherren. Der Kaffeerost wurde 1869 zum ersten Mal beobachtet und innerhalb von weiteren 15 Jahren kam der Kaffeeanbau vollständig zum Erliegen. Obwohl Probleme von Monokulturen und die damit in Verbindung stehende Anfälligkeit für Pflanzenkrankheiten schon bekannt waren, versetzte die Pilzerkrankung die Farmer anfänglich nicht in große Sorge. Rodungen des Urwaldes und Ausbau der Plantagen hatten jedoch zur Folge, dass natürliche Barrieren fehlten und so zur schnellen Verbreitung der Sporen des Kaffeerostes beitrugen. 1871 hatte die Krankheit besorgniserregende Ausmaße erreicht. Joseph Hooker (Direktor von Kew Garden in London) informierte 1875 sechzig britische Kolonien und Konsulate in Südamerika, der Karibik, Asien, Afrika und in Australien über diese bedrohende Erkrankung der Kaffeepflanzen. Ohne Einnahmen aus dem Kaffeeexport erwartete das Kolonial-Ministerium den Rückfall Sri Lankas auf den Status einer kostspieligen Militärstation.


Zeitgleich begann man mit dem Umbau der Anbaukulturen. Cinchona (das Saatgut war in Südamerika geraubt worden) wurde als Begleitkultur zwischen die Kaffeepflanzen gepflanzt. Auch erschloss man durch massive Rodungen weiter höher gelegene Regionen. Cinchona war ein sogenanntes Übergangsprodukt und rettet manch einen Farmer vor dem vollständigen Ruin. Die höher gelegenen Areale erwiesen sich später als Teeanbauflächen als sehr vorteilhaft. Ein junger Schotte Namens James Taylor experimentierte 1870 in den königlichen Botanischen Gärten von Peradeniya auf Sri Lanka mit Teepflanzen. Die 10 Hektar große Plantage Loolecondera, auf der Taylor den ersten kommerziellen Anbau durchführte, wurde zum Muster für die zukünftige Entwicklung der Teeindustrie Sri Lankas. Als der Kaffeeanbau auf Sri Lanka gänzlich durch den Pilz zusammenbrach, hatte Taylor seine Versuche im Botanischen Garten Peradeniya mit Teepflanzen abgeschlossen. 1880 begann der einträgliche Plantagenanbau von Tee und zwar nicht nur in den Hochlagen. Kaffee spielte ab diesem Zeitpunkt für Sri Lanka keine große Rolle mehr.

Die Kaffeepflanze ist sehr empfindlich und wächst nur unter bestimmten Bedingungen. Es existiert der sogenannte Kaffeegürtel in den Ländern rund um den Äquator. Dieser tropische und subtropische Korridor befindet sich zwischen dem 30. Breitengrad nördlicher und dem 30. Breitengrad südlicher Breite. Nur hier trifft die Pflanze auf für sie ideale Bedingungen. Die ausgewogene Versorgung mit Wärme, Feuchte, Sonnen- und Wind-Schutz sind Voraussetzungen für das Gedeihen der Kaffeekultur. Veränderungen des Klimas werden die Anbauflächen schrumpfen lassen, so vermuten britische und äthiopische Wissenschaftler. In vielen Fällen wird sich die Fläche, die zum Kaffeeanbau geeignet ist, durch Temperaturanstieg von nur zwei Grad Celsius deutlich verringern.

Zu den Top-Anbauländern gehören Brasilien(50), Vietnam (22), Indonesien (13) und Kolumbien (10) in Millionen Sack zu je 60 kg, nach einer Statistik von 2013. Äthiopien, Indien, Honduras und Peru liegen nur bei etwa 5 Millionen Sack zu je 60 kg. Die USA hat mit 20,3 Millionen den größten Kaffeeverbrauch, gefolgt von Brasilien (20 Millionen) und Deutschland mit 9 Millionen Sack zu je 60 kg. Der Verbrauch in den asiatischen Ländern wächst stetig. So folgt Japan auf Deutschland mit 7,3 Millionen Sack pro Jahr. (Info: Deutscher Kaffeeverband e.V. Feb. 2015).  Die Frage bleibt also zum Glück noch offen, ob in der westlichen Welt ohne die anregende Wirkung des Kaffees weiterhin so effektiv gearbeitet werden kann, denkt man an den Ausspruch …“ohne meinen Kaffee am Morgen bin ich kein Mensch“.

Ulrich Rösemann

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Donnerstag, 18. Januar 2018 - „Mittagspause im Garten“

Wir laden Sie ein, sich über die neusten Entwicklungen des Gartens und über Pflanzenbesonderheiten zu informieren. Donnerstag, der 18. Januar 2018 von 13:00 bis 13:45 Uhr (passend in der Mittagspause)
Treffpunkt: an der Linde des Haupteinganges Albrechtstraße
Eintritt frei. Sie haben Fragen? Tel. +49 541 969 2739


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