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Partner des Menschen

Kautschukbaum - Partner des Menschen

Hevea brasiliensis
Latex-Ernte
Partner des Menschen

"In der Provinz Esmeralda (Brasilien) wächst ein Baum Namens Hevea. Wenn man nur einen kleinen Schnitt in seine Rinde macht, tritt daraus eine mächtige Flüssigkeit hervor, die, wenn sie mit Luft in Berührung kommt, härter wird und eine schwarze Farbe annimmt……. Die Maya nennen das Harz, das sie auf diese Weise gewinnen, Cahutschu. Man spricht es Kautschuk aus und es bedeutet, der Baum, der weint.“
Charles Marie de La Condamine (1745)

Bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. stellten die Maya Bälle aus Kautschuk her, wie Belege, die in der Nähe von Guatemala City gefunden wurden, beweisen. Auch die Seefahrer, die um 1500 nach Amerika kamen, berichteten schon von gummiartigen Produkten, gaben diesen aber keine Bedeutung. Erst Condamine (1735-1745 Expedition Südamerika, 1743 – 1745 Amazonasexpedition, er hat den Amazonas in seiner gesamten Länge befahren) erkannte die Möglichkeiten dieses Produktes, die Indianerstämme am Amazonas kalfaterten z. B. ihre Boote mit dem geronnenen Saft der Bäume. Der lange Transport von Südamerika nach Europa ließ den Baumsaft steif und zäh werden, so dass eine Verarbeitung nicht mehr möglich war. Im 18. Jahrhundert entdeckte man das Verfahren, der Kautschukmasse Lösungsmittel zuzusetzen, so dass sich das Material formen ließ (Schläuche und Gummischuhe). Das weltweite Interesse war geweckt und die Nachfrage stieg rasant an. Um das Monopol zu schützen, stellte Brasilien die Ausfuhr von Samen und Pflanzen unter Todesstrafe. 1770 erfand der Brite Eduard Nairne den Radiergummi. 1783 hatte der Franzose Jacques Charles zum Jungfernflug seines Heißluftballons diesen mit in Terpentin gelöstem Kautschuk bestrichen. 1823 produzierte der Schotte Charles Macintosh den ersten beschichteten Regenmantel. 1839 gelang Charles Goodyear die Vulkanisierung (Erhitzen des Kautschuks mit Schwefel). Dieses Produkt war geruchsarm, elastisch und bei unterschiedlichen Temperaturen stabil. 1876 hatte es Henry Wickham geschafft, ca.70.000 Samen in zwei ausgestopften Krokodilen außer Landes zu bringen und nach England zu schmuggeln. Als Bezahlung erhielt er 700 Pfund. In Kew Garden keimten ca. 2.400 Samen. So konnten 1900 Jungpflanzen nach Ceylon (heutiges Sri Lanka) gebracht und dort in Kultur genommen werden. 1888 erfand John Boyd Dunlop den Luftreifen für das Fahrrad. 1894 produzierten die Brüder Michelin den ersten Automobilreifen. Bis 1876 hielt Brasilien das Weltmonopol auf Kautschuk, obwohl auch in Afrika Naturkautschuk gewonnen wurde. Ab 1839 erhöhte sich der Kautschukbedarf immens. In der Amazonasregion (Belem und Macau) gab es einen regelrechten Kautschuk-Boom.

Nach 1905 brachten die ersten Plantagen in Malaysia (britische Kolonie) den Erfolg und schon bald wurde der brasilianische Kautschuk durch den malaiischen vom Markt verdrängt. 1909 meldete der Chemiker Fritz Hofmann das erste Patent für synthetischen Kautschuk an. Um 1925 entwickelte IG Farben den synthetischen Kautschuk Buna. Grundstoffe für Buna waren Kalk und Kohle; beides war im rohstoffarmen Deutschland vorhanden. Im zweiten Weltkrieg war Buna von großer Bedeutung für Deutschland. Nach Kriegsende wurde die Produktion durch die Alliierten bis 1950 verboten. In Schkopau (ehemals DDR) produzierte VEB Plaste und Elaste und in Marl-Hüls wurden Buna bzw. die Nachfolgeprodukte in den Chemischen Werken Hüls (CWH) hergestellt.

Latex-Ernte

Der im Amazonasgebiet heimische und nur in den Tropen gedeihende Laubbaum (Hevea brasiliensis) wird zwischen 15 und 30 Meter hoch und kann einen Stammdurchmesser von bis zu einem Meter erreichen. Die Bäume sind zwischen 5 und 8 Jahre alt, bevor die Plantagenarbeiter den ersten Latex ernten können. Um ihn zu gewinnen, schneiden sie die Rinde etwa über die Hälfte des Baumumfangs schräg an. Bewährt haben sich Muster von V-, Gräten- oder Spiralschnitten (Schraubenform). Meist geschieht dies vor Tagesanbruch, wenn der Pflanzensaft am besten fließt. Das Latex wird in kleinen Gefäßen am unteren Punkt des Schnittes aufgefangen. Pro Tag lassen sich ungefähr 20 bis 30 Gramm Latex pro Baum gewinnen. Ein Drittel davon ist Kautschuk, ansonsten enthält der Saft vor allem Wasser. Nach nur zwei Tagen ist die Quelle versiegt und es wird noch einmal angeritzt. Aber auch der erneute Schnitt versiegt nach Tagen und es muss ein ganz neuer Schnitt unterhalb des alten Schnittes angelegt werden, um den Latexfluss zu aktivieren. So gehen die Arbeiter immer weiter vor, bis sie an der Stammbasis des Baumes angekommen sind. Bei dieser einseitigen Stamm- bearbeitung kann bis zu zwei Jahre geerntet werden. Anschließend wechseln sie auf die andere Seite des Baumes. Wird das Gehölz sorgfältig behandelt, kann es bis zum Alter von 25 – 30 Jahren Kautschuk liefern. Im hohen Alter lässt jedoch die Produktion des Saftes nach.

Holznutzung

Im Alter von etwa 35 Jahren nach dem Versiegen der Latex-Produktion werden die Bäume (bei Plantagenwirtschaft) meist gefällt und durch Jungpflanzen ersetzt. Das Holz wird zu Möbeln, Türen und Parkett verarbeitet. Auch bei der Fertigung von Spielzeug und beim Musikinstrumentenbau findet es Verwendung. Henry Ford hatte 1922 Fordlandia (in Brasilien) gegründet. Auf dieser Farm arbeiteten bis zu 5000 Arbeiter. Er musste die Farm auf Grund einer Blattkrankheit (Virus: Microcyclus ulei), die den ganzen Bestand dahinraffte, aufgeben. Noch ist diese Krankheit nicht in Asien aufgetreten. Die neueren Forschungen befassen sich heute mit weiteren Pflanzen, um Latex zu gewinnen, u.a. mit dem Russischen Löwenzahn.

Ulrich Rösemann, August 2014

Die beiden 4,5 m hohen Kautschukbäume im Botanischen Garten der Universität Osnabrück wurden uns freundlicherweise von der Continental-Zentrale überlassen.

Nächster Termin


Samstag, 4. November 2017 - Aktionstag im naturbelassenen Steinbruch im Botanischen Garten

Der naturbelassene Steinbruch braucht auch in 2017 Ihre Unterstützung. Wir wollen den Jungbewuchs an Gehölzen reduzieren, die invasiven Arten verringern und das Clematis-Gebüsch am Hang zurückschneiden. Alle Helferinnen und Helfer bitten wir, sich telefonisch oder per Mail anzumelden, um die Beköstigung zu planen.
Um 13:00 Uhr steht ein kräftigender Eintopf bereit. Viele helfende Hände können etwas bewegen. Bitte Arbeitshandschuhe und Rosenschere mitbringen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. Treffpunkt um 9:00 Uhr auf dem Betriebshof des Botanischen Gartens, Albrechtstraße 29.
Anmeldung bis zum 1. November  
Tel.: 49 541 969 2704
ulrich.roesemann@biologie.uni-osnabrueck.de
www.bogos.uni-osnabrueck.de
www.freundeskreis-bogos.de


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