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Tee - Eine Pflanze für Legenden

Tee - Eine Pflanze für Legenden

Tee-Ziegel (23 x 18 x 2 cm)

Das zweithäufigste Getränk des Menschen ist nach Wasser der Tee.

Legende aus China
  

Der Legende zufolge fing die Geschichte des Tees ca. 2500 vor Christi Geburt an. „Der Sohn des Himmels“, der chinesische Kaiser Shen Nung, kochte unter einem Baum Wasser. Blätter des Baumes über dem Topf fielen in das kochende Wasser und das Wasser verfärbte sich grün und es verströmte einen angenehmen Duft. Der Kaiser kostete von dem Getränk und war begeistert. Das Getränk erfrischte und es regte an. Bei der Pflanze soll es sich um einen wilden Teebaum/Strauch gehandelt haben.

Legende aus Indien

Der Prinz Dharma, dritter Sohn des Königs Kosjuwo, begab sich auf eine Reise nach China, um dort die Lehren des Buddhismus zu verkünden. Um sich seiner Mission würdig zu erweisen, legte er das Gelübde ab, neun Jahre lang nicht zu schlafen. Am Ende des dritten Jahres überfiel ihn aber leichte Müdigkeit, und er wäre wohl vom Schlaf überwältigt worden, wenn er nicht zufällig von einem wilden Teestrauch ein paar Teeblätter gepflückt hätte und sie ganz in Gedanken in den Mund gesteckt und gekaut hätte. Sofort tat der Tee seine belebende Wirkung: Dharmas Müdigkeit war verflogen, und aus den Teeblättern schöpfte er die Kraft, auch die verbleibenden sechs Jahre seiner Mission wach zu bleiben.

350 n. Chr. wurde Tee erstmals im Wörterbuch von Kuo Po als „Tu“ erfasst und als „ein Getränk aus gekochten Blättern“ beschrieben. Etwa 120 Jahre später (476 n. Chr.-) betrieben die Nomaden aus Zentralasien, entlang der großen Mauer, als Erste den Tauschhandel mit Tee. 780 n. Chr. verfasste der Adoptivsohn von buddhistischen Mönchen Lu Yu eine erste fachliche Studie über den Tee mit dem Titel „Das klassische Buch vom Tee“ (Cha Ching). In der Zeit 620 – 1279 n. Chr. - während der Tang-Dynastie (620-907 n. Chr.) - erlebte der Tee seine goldene Zeit. Die Kunst der Teezubereitung und der Teeproduktion wurde verfeinert und perfektioniert. In der nachfolgenden Sung-Dynastie (960-1279 n. Chr.) entstand in den Provinzen die Tradition der blumigen Tees. Der Teekenner beschreibt den Geschmack eines Tees mit „blumig“, wenn der Tee aromatisch nach Blüten duftet und er im Mund einen weichen und lang anhaltenden Geschmack entfaltet.

Der Tee verlor seine Popularität während der Mogul-Herrschaft 1279 – 1368. Er blühte durch die Entdeckung der Fermentation während der Ming-Dynastie 1368 -1644 wieder auf. Unter Fermentieren von Tee verstand man in den frühen Jahren das Aufschließen und Oxidieren der Teeblätter in einem feuchten Umfeld. Dies ist keine echte Fermentation, da dieser Prozess ohne Mikroorganismen abläuft. Heute spricht man in der Teetechnologie korrekter von Oxidation. Durch diesen Prozess wurde die Produktion von neuen Teesorten ermöglicht.

Das Produkt Tee geht auf Reisen

Die Holländische Ostindische Kompanie wurde 1610 gegründet und brachte den ersten Grüntee aus Japan und Schwarztee aus China auf dem Seeweg über Java nach Holland. Da die Reise von China oder Japan nach England mindestens sechs Monate bis zu einem Jahr dauerte, litt die Qualität des Tees durch die feuchte Seeluft und die Schiffslagerung erheblich. Auf dem Landweg brachte 1618 Wassilij Storkow erstmals Tee als Geschenk für den Zaren nach Russland. Von Holländern wurden 1644 die ersten 100 Pfund nach England verschifft. Coffee Shops gab es zu dieser Zeit schon in London. Der Engländer Thomas Garrington begann in seinen „Coffee Houses" in London 1657 mit dem Ausschank von Tee. Zunächst dem Adel vorbehalten, war der Tee bald von den Schöngeistern, die in den „Coffee Houses" verkehrten, sehr geschätzt. Mit Zunahme der Beliebtheit des Teetrinkens wurden die „Coffee Houses“ dann in „Teehäuser" umbenannt. In der Mitte des 17. Jahrhunderts kam Tee über Holland nach Ostfriesland, wo sich eine eigene Teekultur entwickelte. 1717 eröffnete Thomas Twining das erste Teegeschäft in London. Die Briten brachten den Tee in die „Neue Welt“, wo der Tee bald auf dem dritten Platz der importierten Handelsgüter stand.
Diese Tatsache nahm die britische Regierung zum Anlass, Tee in den Kolonien mit hohen Steuern zu belegen, und verursachte damit im ganzen Land Proteste. Am 16. Dezember 1773 verkleideten sich Mitglieder der Freimaurerloge „Saint Andrew“ in Boston als Mohikaner, enterten die im Hafen liegenden Schiffe der East India Company und warfen 342 Kisten Tee über Bord. Dieser Akt, bekannt als 'Boston Tea Party', gilt als Auftakt zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Im englischsprachigen Raum entstand sogar die Bezeichnung „Teatotaller“, für einen Menschen der keinen Alkohol – also nur Tee – trinkt. 1778: Der Preußische König Friedrich II versuchte den Teekonsum in Deutschland zu verbieten und blieb damit erfolglos.

Die Reise der Teepflanze

Die chinesischen Einwanderer brachten 1810 verschiedene Tee-Pflanzen aus der Provinz Fujian nach Formosa (Taiwan). Robert Fortune wurde von der Ostindischen Kompanie 1851 nach China geschickt, mit dem Ziel, Teepflanzen zu beschaffen und so die Monopolstellung der Chinesen zu brechen. Robert Fortune sammelte auf insgesamt vier Reisen in Ostasien Pflanzen. Die erste Reise erfolgte im Auftrag der Royal Horticultural Society; die zweite und dritte Reise unternahm er im Auftrag der British East India Company. Seine vierte Reise führte er im Auftrag des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums durch, welches ebenfalls an Teepflanzen aus China interessiert war. Die Aufhebung der Monopolstellung Chinas hatte weitreichende Folgen. Über Jahrhunderte hat China zwar mit anderen Ländern Handel betrieben, aber keine Händler ins eigene Land hereingelassen. Mit der zunehmenden Popularität des Tees und dem Anwachsen des Handels bestand China auf Bezahlung der Waren in reinem Silber. Diese Geschäftsbedingungen stießen bei der East Indian Company auf Ablehnung, waren aber nicht direkt zu verändern. Daher betrieb die East Indian Company über Jahrzehnte ein schmutziges Geschäft mit Opium für China, und das Silber floss so zum Ursprungsbesitzer zurück. Die Folge war der erste Opiumkrieg (1839 bis 1842). Daraus resultierten mit der Niederlage Chinas die Öffnung des Marktes und die erzwungene Duldung des Opiumhandels; Hongkong war durch das vereinigte Königreich während des Opiumkrieges besetzt und wurde 1843 zur britischen Kolonie erklärt.

1851/52: Robert Fortune transportiert 13.000 Setzlinge von Camellia sinensis von China an den Fuß des Himalayas. Der Transport erfolgte in Ward`schen Kästen. Neben den Teepflanzen verbreitete Robert Fortune auch die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei). Überall im Himalaya, wo heute Tee angebaut wird, trifft man auf die Chinesische Hanfpalme (Kumaon, Darjeeling, Assam).

Ab 1860: Tee wurde auf Ceylon (heute Sri Lanka) angebaut. Tee rettete die Geschäftemacher und Kleinbauern auf dieser Insel, denn Ceylon galt bis 1860 als die Kaffee-Insel, bis eine Pilzerkrankung der Kaffeepflanze den gesamten Kaffeeanbau und den Traum vom Reichtum zerstörte. Ein junger Schotte namens James Taylor experimentierte in den königlichen Botanischen Gärten von Peradeniya auf Sri Lanka mit Tee-Samen. Taylor kultivierte auf der 10 Hektar großen Loolecondera-Plantage Tee. Es war der erste kommerzielle Anbau und wurde zur Musteranlage für die zukünftige Entwicklung der Teeindustrie Sri Lankas.

Der Tee im Beutel

Der Teebeutel wurde 1908 zufällig vom Teehändler Thomas Sullivan in New York erfunden. Um Teeproben an seine Kunden zu versenden, füllte er den Tee in kleine Seidenbeutel. Seine Kunden nutzten die kleinen Beutel dazu, sie ganz in das Wasser einzutauchen, in dem Glauben, dass dies so von Sullivan vorgesehen gewesen sei.

Eine Pflanze, die die Welt veränderte

Kaum zu glauben, wenn man heute genüsslich eine Tasse „Earl Grey“ genießt oder ganz fix den Teebeutel in den Becher wirft, dass für diesen Genuss Kriege geführt wurden und viele Menschen auf abenteuerlichen Expeditionen ihr Leben gelassen haben. Der wirtschaftliche Antrieb und der Sog aus Europa muss schon sehr mächtig gewesen sein, um das Aneignen von Ressourcen aus Übersee zu bewerkstelligen. Damals wie heute werden Kriege geführt, deren Auslöser pflanzliches Material –heute u. a. fossile Brennstoffe - sind. Lange Zeit war es üblich, Teeziegel zu pressen. Teeziegel konnten recht einfach gelagert und transportiert werden. Die Teeblätter presste man mit Reiswasser in Formen. Die Ziegel waren meist mit Ornamenten recht hübsch verziert. Mittels einer Reibe wurden portionsgerechte Teemengen vom Ziegel abgerieben. Heute dienen Teeziegel ausschließlich zur Dekoration. 

Ulrich Rösemann

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Donnerstag, 18. Januar 2018 - „Mittagspause im Garten“

Wir laden Sie ein, sich über die neusten Entwicklungen des Gartens und über Pflanzenbesonderheiten zu informieren. Donnerstag, der 18. Januar 2018 von 13:00 bis 13:45 Uhr (passend in der Mittagspause)
Treffpunkt: an der Linde des Haupteinganges Albrechtstraße
Eintritt frei. Sie haben Fragen? Tel. +49 541 969 2739


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