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Agave sisaliana

Die Sisalfaser ist auf dem Vormarsch

Sammelbild Rot-Serie XVII
Sisalanbau in Deutsch-Ost-Afrika

 

 

Der Name Agave sisaliana bezeichnet eine der dreihundert Arten umfassenden Agaven aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Ursprünglich ist sie in den Trockengebieten des mexikanischen Hochlandes beheimatet. Ihren Namen erhielt die Pflanze von der kleinen Hafenstadt Sisal. Sie liegt 55 km nordwestlich von Méridaauf der HalbinselYukatanin Mexiko. Mittlerweile sind große Anbaugebiete in vielen subtropischen und tropischen Ländern zu finden (Kenia, Tansania, Madagaskar, Brasilien, Mexiko). Größter Produzent (2013) ist Brasilien mit ca. 130.000 Tonnen/Jahr.

Die Naturfaser kommt zurück auf dem Weltmarkt
Lange Jahre wurde Sisal als Naturfaser vernachlässigt und verschwand fast gänzlich vom Markt. Mit dem Trend zu mehr Ökologie widerfährt ihr jetzt ein Comeback. Neben Hanf steht die Sisalfaser in der Rangfolge an zweiter Stelle der genutzten Faserpflanzen. Um 1964 brach der Sisalmarkt zusammen, da Kunstfasern den Markt eroberten. Kunstfasern wurden durch Massenproduktion weitaus preiswerter und verdrängten die Naturfasern. Es gibt wohl keine Pflanze, die der Mensch nicht schon vergoren hat. Bevor Sisal als Faser verwendet wurde, war sie in der präkolumbischen Zeit zur Herstellung von „Pulque“ bekannt. Pulque ist ein Bier, das man aus dem Fruchtstamm der Agave herstellte. Mit den Kolonisten wurde die Nutzung der Fasern entdeckt, aber auch die Produktion von einem Agaven-Destillat. Der Oberbegriff dafür lautet Mescal. In den Regionen Guadalajara und Jalisco heißt die Regionalbezeichnung Tequila. Für die Produktion von Mescal wird der Agavensaft vergoren. Die Agaven für den Mescal werden überwiegend in Zentral-Mexiko angebaut; in Yukatan existieren große Haziendas für die Sisal-Produktion. In vielen Verbreitungsgebieten, einschließlich der Länder rund um das Mittelmeer, dienten die Agaven als Zaun und Windschutz für Gärten und kleinere landwirtschaftlich genutzte Flächen. Auch zum Schutz der privaten Gemüsegärten wurden neben den Opuntien die Agaven eingesetzt. So konnten Ziege, Schaf und Esel von den Gärten ferngehalten werden.

 

Auch in der deutschen Kolonialgeschichte spielte die Sisalagave eine nicht unerhebliche Rolle. Der Deutsche Dr. Richard Hindorf hat im Jahr 1893 im Auftrag der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft die Agave aus Florida über Hamburg nach Tansania gebracht. In Deutsch-Ostafrika (Tansania) stieg die Produktion jährlich an (1907 waren es 3000 Tonnen). Zum Zeitpunkt der Übernahme der Kolonie (1918) durch die Engländerlag die Jahresproduktion bereits bei 25.000 Tonnen. 1964 reduzierte sich die Produktion jedoch durch das Aufkommen von Kunstfasern. Mittlerweile steigt die Produktion erneut weltweit an. Die letzten Erhebungen stammen aus dem Jahr 2006 (Weltproduktion 428.000 t, Tansania 27.8000 t).

Verarbeitung
Agaven benötigen eine lange Entwicklungszeit bis zur Ernte; es dauert drei bis fünf Jahre, bis das Sisal geerntet werden kann. Die Pflanzen selbst sind nach der Ernte zerstört, es muss jedes Mal neu gepflanzt werden. Bedingt durch die lange Kulturzeit ist eine hohe Kapitalausstattung zur Überbrückung der langen Kulturzeit notwendig. Dies kann in der Regel nur durch Großgrundbesitzer umgesetzt werden, nicht durch die Kleinbauern. Mit der Ernte kann erst ab dem dritten Jahr begonnen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Agave 100 Blätter ausgebildet. Die äußeren Blätter werden abgeschnitten und entspitzt. Das maschinelle Entfasern der Blätter geschieht noch im frischen Zustand. Aus einem Blatt sind ca. 1000 Einzelfasern zu gewinnen, wobei die Fasern pro Blatt nur 5 -7 % der gesamten Blattmasse ausmachen. Nach einem Wasserbad werden die Fasern in der Sonne getrocknet. Durch Kämmen und Schlagen befreit man die Fasern von Resten des Blattparenchyms.

Der rote Teppich kann aus Sisal sein!
Heute erfreuen sich Naturmaterialien wieder großer Beliebtheit und die Verwendung von Sisal erstreckt sich auf viele Produkte. Besonders gefragt sind Sisalteppiche, die mit ihrem rustikalen Charme in vielen Haushalten anzutreffen sind.

Ulrich Rösemann Januar 2017

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Dienstag, der 12. März 2019 - „Reichtum, Macht, Muskatnuss: Der Schatz der Gewürzinseln“

Vortrag von Alexandra Kehl, Botanischer Garten der Universität Tübingen, zum Jahresthema des Verbandes Botanischer Gärten (VBG): „Forscher, Sammler, Pflanzenjäger – unterwegs mit Humboldt & Co.“ Der Vortrag entführt in längst vergangene Jahrhunderte, als exotische Gewürze wie Pfeffer, Zimt oder Muskatnuss mit Gold aufgewogen wurden. Sie waren nicht nur begehrte Statussymbole, sondern hatten auch eine enorme wirtschaftliche und politische Bedeutung. Das Land wo der Pfeffer wächst und die Gewürzinseln galten als unheimlich verheißungsvoll und von ihrer Entdeckung versprachen sich europäische Nationen unendlichen Reichtum, politische Macht und militärische Stabilität. Es wurden Kriege geführt und Länder verkauft, viele Menschen starben, manche wurden tatsächlich reich. Neben der spannenden Geschichte rund um die Entdeckung Indiens und der Gewürzinseln werden die Gewürzpflanzen selbst vorgestellt, die –manchmal ganz unscheinbar– einst die Welt bewegten. Eintritt ist frei.
Dienstag, 12. März 2019 18.30 Uhr Botanischer Garten Osnabrück, Bohnenkamp-Haus, Helikoniensaal


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