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Solanum tuberosum - Kartoffel

Solanum tuberosum - Kartoffel

Giftpflanze und Weltnahrungsmittel

Schon vor 4000 Jahren wurden Kartoffeln in Peru gegessen. Die Inkas verbreiteten den Anbau in Südamerika und nutzten die Kartoffel gleichrangig neben Mais. In den Anden waren fast 600 Varietäten der Kartoffel bekannt. Als die Konquistadoren die Inka-Kultur zerstörten, wurde die Knolle zum Beuteanteil, der nach Europa verschifft wurde. So soll die Kartoffel 1570 Europa erreicht haben.

Achtung giftig
Alle oberirdischen Pflanzenteile dieses Nachtschattengewächses sind giftig, einschließlich der Knollen, die längere Zeit dem Licht ausgesetzt wurden und sich grün gefärbt haben. Die Kartoffelschalen und die ergrünte Kartoffel enthalten ein Mehrfaches an dem Alkaloid Solanin, einem Glucosid des Solanidins. Heutige Kartoffelsorten weisen nur noch 3 – 7 mg Solanin pro 100 g Frischgewicht auf. Bei den älteren Kartoffelsorten war der Wert wesentlich höher. Botanisch gesehen ist die Kartoffel, die von uns gegessen wird, eine Sprossknolle, da sie als verdicktes Rhizom einem Erdspross entspricht. Sie ist also weder Frucht noch Wurzelgemüse, sondern vom Typ her wie Kohlrabi und Rübe einzuordnen.

Ich wachse fast überall auf der Welt
Es ist schon erstaunlich, dass diese Pflanze, außer in tiefliegenden tropischen Regionen, überall kultiviert werden kann. Das macht sie zum universellen Nahrungsmittel, besitzt sie doch einen höheren Nährwert als die Getreidearten. Die Kartoffel kann gekocht, gebraten, gebacken, zu Mehl verarbeitet und zu Schnaps gebrannt werden.

Der Weg nach Europa
Es gibt keine Kenntnisse darüber, welchen Weg die Domestikation der Kartoffel in Südamerika genommen hat. In der kurzen europäischen Geschichte der Kartoffel gab es jedoch weitreichende Ereignisse, die durch die Kartoffel ausgelöst wurden. Von der Ablehnung der Kirche, da die Kartoffel in der Bibel nicht erwähnt wurde, bis hin zu Auswanderungswellen nach Amerika als Folge der Kartoffelfäule. In Deutschland fristete die Kartoffel sehr lange ein Schattendasein. Erst Friedrich der Große (er herrschte von 1740 bis 1786 in Preußen) schickte Soldaten, um kostenlos Kartoffeln an die Bauern zu verteilen und gleichzeitig den Kartoffelanbau zu überwachen. Der französische Armee-Apotheker Antoine Augustin Pormentier befand sich in Kriegsgefangenschaft in Hannover und entdeckte dort durch chemische Untersuchungen das Nährstoffpotential der Kartoffel. Er sorgte nach seiner Entlassung für die Verbreitung der Kartoffel in ganz Frankreich.

Krautfäule verursacht Hungersnöte
Der bayerische Erbfolgekrieg 1778 / 1779 zwischen Preußen und Österreich wurde auch Kartoffelkrieg genannt. Die Feinde beraubten sich gegenseitig der Nahrung, so wurden auch auf den Feldern des Feindes sämtliche Kartoffeln ausgegraben. 1840 führten Kartoffelmissernten in ganz Irland zum Chaos. Ein Pilz (Phytophthora infestans), Verursacher der Kraut-und Knollenfäule, breitete sich bei feucht-warmen Witterungsverhältnissen sehr schnell aus. Man versuchte mit Natriumkarbonat und Kupfer den Pilz zu bekämpfen,die Erfolge waren gering. Auch das infizierte Saatgut ergab in den Folgejahren totale Missernten. 1845 war die Ernte nicht mehr zu retten. Die Folge waren Hungersnöte und Typhusepidemien, an denen hunderttausende Menschen starben. Fast 2,5 Millionen Menschen verließen das Land und begaben sich auf eine strapaziöse, dreimonatige Schiffsreise nach Amerika. Auch auf diesen Reisen waren die Menschen vom Tode bedroht und in Amerika angekommen war der Neustart nicht einfach.

Gelbgestreifter Käfer als Katastrophe
1877 folgte die nächste Katastrophe; aus Amerika erreichte der Kartoffelkäfer Europa. Zum Absammeln der Käfer wurde jedermann herangezogen und der Abwehrkampf gipfelte darin, dass im Jahr 1935 durch den Reichsnährstand der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst (KAD) geschaffen wurde. In den Kriegszeiten beschuldigte man sich gegenseitig, über dem Land des Gegners Tausende von Kartoffelkäfern als biologische Waffe abgeworfen zu haben. Belege dafür gibt es nicht. Gesichert ist aber, dass die deutsche Wehrmacht die Massenvermehrung und den Käferabwurf in Süddeutschland erprobte.

Die Reise der Kartoffel zurück nach Amerika
Man soll es nicht für möglich halten: die Kartoffel hat auf ihrer Reise einen großen Umweg über Europa genommen, um nach Nordamerika zu gelangen. Ein schottisch-irischer Geistlicher (James MacGregor), der einige Auswandererfamilien von Nordirland nach Nordamerika begleitete, hatte Saatkartoffeln im Gepäck. So erreichte die Kartoffel erst 1719 Nordamerika.

Der Name Kartoffel
Vermutungen zur Namensgebung: Die Konquistadoren fanden die Knollen bei ihren Beutezügen in den Hütten der Einheimischen. Sie diente ihnen als ein schmackhaftes Gericht und sie nannten sie patata (im Spanischen immer noch patatas oder kurz papas), woraus viele Jahre später im angelsächsischen Sprachgebrauch der Name potato wurde. In Italien soll die Kartoffel den Namen tartufoli (Trüffel) getragen haben. Im Deutschen erfolgte eine sprachliche Umwandlung von Tartuffeln bis Kartoffel. Namensautor für die lateinische Bezeichnung war der Botaniker Caspar Bauhin-Solanum tuberosum esculentum-= essbarer knolliger Nachtschatten. Den Namen vergab er in der Zeit, als er in Basel an der Universität lehrte (1589 bis 1619). Nach der Linné’schen Nomenklatur heißt sie jetzt S. tuberosum L..

Die Kartoffel und ihre Verwendung – nicht nur auf dem Speisezettel 
Die Vielseitigkeit der Kartoffel ist erstaunlich. Nachdem sie sich durch Selektion und Züchtung soweit verändert hatte, dass sie sich an die Kurztag-Photoperiode adaptiert hat und die Energie statt in Stolonen in die Ausbildung von Knollen steckte, wurde sie europaweit zu einem Hauptnahrungsmittel. Ob als Kartoffelbrei, Salzkartoffeln, Kartoffelknödel, Bratkartoffeln oder als Rösti (später auch als Pommes frites), verarbeitet in Suppen und Salaten, als Chips, Kroketten, Kartoffelgratin, eignet sie sich auch für das Brennen (Kartoffelschnaps). Auch gibt es in Südamerika eine Variante des Bieres, das Chicha, das aus der Kartoffel hergestellt wird. Eine Einteilung der Speisekartoffeln erfolgt nach Kochtypen (festkochend, vorwiegend festkochend, mehlig kochend). Die Kartoffel hat nicht nur als Nahrungsmittel für Mensch und Tier einen hohen Stellenwert eingenommen, auch für die Produktion von Stärke und Alkohol kann man auf sie nicht mehr verzichten.

Ulrich Rösemann Juni 2016 

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